Das Baggerschiff "HEGEMANN 1" bringt neuen Sand für die Zeltplatzdünen auf Spiekeroog. (dpa)

17.07.2017

Das große Buddeln

Zur Zeit sind auf Spiekeroog rund um die Uhr Baumaschinen im Einsatz. Sie verstärken die Dünen, die im letzten Winter stark beschädigt wurden. Die Urlauber nehmen den Lärm gelassen hin.

"HEGEMANN 1"

Die Vibration des Bodens ist bis in die Zelte zu spüren. Rund um die Uhr sind die Baumaschinen auf Spiekeroog im Einsatz, um die Dünen im Südwesten der Insel zu verstärken. Die Urlauber auf dem Zeltplatz nehmen den Lärm gelassen hin. Sie hätten auch kostenlos stornieren können, aber nur wenige Zelter haben das Angebot der Kurverwaltung in Anspruch genommen.

„Das ist Küstenschutz und damit alternativlos", sagt eine Camperin, die mit ihren Jungs ganz oben auf der Düne steht.

Unten am Strand, wo die Kinder vor Kurzem noch mit ihren kleinen Schaufeln im weißen Sand spielten, wird jetzt im XXL-Format gebuddelt. „Vorsicht Spülfeld – Lebensgefahr" ist auf den Warnschildern zu lesen. Die Kinder drücken sich die Nasen am Zaun platt. Sie können sich kaum sattsehen an der Baustelle. 80.000 Kubikmeter Sand haben die Bauarbeiter in den vergangenen Wochen bewegt, damit der Zeltplatz bei der nächsten Sturmflut nicht untergeht. Groß war der Schaden, den die Nordsee im vergangenen Winter angerichtet hat. Insgesamt 400 Meter Uferstreifen hatte sich das Meer im Dezember und Januar einfach einverleibt. Die „Hegemann 1" ist unterwegs, um Sand von den der Insel vorgelagerten Riffen zu holen. Mehr als 1000 Kubikmeter Baumaterial passen in den Bauch des Saugbaggerschiffes.

Eine Millionen Euro für den Küstenschutz auf Spiekeroog
Sichtlich abgeladen nimmt das Schiff Kurs auf Spiekeroog und spült die Ladung über eine Pipeline an Land. Dann sind die Planierraupen dran, um die neue Düne in Form zu bringen. „Die Kurverwaltung war nicht so begeistert, aber wir können eben nur im Sommer arbeiten", erklärt der Projektleiter beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Theo van Hoorn in Norden.

Rund eine Million Euro lässt sich das Land Niedersachsen den Küstenschutz auf Spiekeroog in diesem Sommer kosten.
Kurzfristig hatte die Kurverwaltung der Insel von der Großbaustelle erfahren. Tourismusmanager Patrick Kösters rechnet mit Umsatzeinbußen. Von 20 bis 30 Prozent Minus ist auf der Insel die Rede. Genau weiß das niemand. „Wir wollen noch vor dem großen Ansturm fertig werden", beruhigt van Hoorn. In dieser Woche seien nur noch ein paar Restarbeiten zu erledigen. In dieser Woche beginnen allerdings auch die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen. Der große Run auf die Insel hat damit bereits am Sonnabend begonnen.

Die Baustelle ist das Thema im Zeltplatz-Kiosk. „Die Leute sind ganz entspannt. Manche waren überrascht, weil sie nicht früh genug informiert wurden. Andere finden es sogar spannend", erzählt Inhaber Lars Bücking. Er selbst hat kaum Zeit, einen Blick über die Düne auf die Baustelle zu werfen. Dafür ist einfach zu viel los. Der Kiosk ist Bioladen, Souvenirshop und Öko-Café, Treffpunkt der Zelter und Ausflugsziel für die Urlauber aus dem Dorf. Bücking ist also froh, dass die Bauarbeiten den Besucherstrom etwas ausbremsen.
Auf Langeoog geht das Buddeln weiter
Unterdessen ist die „HEGEMANN 1" schon auf dem Weg nach Langeoog. Auf der Nachbarinsel geht das große Buddeln weiter. Dort müssen 600.000 Kubikmeter Sand bewegt werden, um das Pirolatal und damit die Trinkwasserversorgung der Insel vor den Naturgewalten zu schützen.

„Das ist sanfter Küstenschutz", erklärt der Projektleiter. Die Zeiten, da massive Schutzmauern die Inseln festhalten sollten, sind vorbei, seit es den Nationalpark Wattenmeer gibt. Der sanfte Küstenschutz auf Langeoog kostet in diesem Jahr sechs Millionen Euro. Es handelt sich nach Angaben des NLWKN um die größte Strandaufspülung, die in den vergangenen Jahren auf den ostfriesischen Inseln durchgeführt wurde.

Vor allem auf Wangerooge, der östlichsten der ostfriesischen Inseln, lässt sich besichtigen, wie die Küstenschützer früher den Sturmfluten mit Steinen trotzten. Auch dort wird in diesem Sommer für rund eine Million Euro Sand aufgespült. „Wir verfolgen die natürliche Wanderung der Inseln sehr genau und versuchen, diese für den Küstenschutz zu nutzen", erklärt van Hoorn. Man will mit der Natur arbeiten, statt gegen sie.
So geht der Projektleiter davon aus, dass Spiekeroogs Sandpolster in Zukunft wieder wachsen wird, wenn die vorgelagerte Sandbank im Westen weiter nach Osten driftet und sich irgendwann ganz an die Insel schmiegt.

„Mit der Sandbank kommt der Sand zurück", sagt van Hoorn. Bis es soweit ist, muss das Saugbaggerschiff womöglich noch Tausende Kubikmeter Sand aus dem Meer zurückholen.
Silke Looden 17.07.2017 Weser Kurier

 

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